„Lehre mit Matura“ – ein Erfolgsmodell oder reformbedürftig?

Seit dem Jahr 2008 ist es in Österreich möglich die „Lehre mit Matura“ zu absolvieren.

Dies bedeutet Vorbereitungskurse für die Berufsreifeprüfung schon während der Lehre besuchen zu können. Drei Teilprüfungen können in der Ausbildung absolviert werden, die vierte Teilprüfung mit dem 19. Lebensjahr.

Die Vorbereitungslehrgänge werden in der Freizeit (außerhalb der Berufsschulzeit) angeboten. Es unterrichten Lehrerinnen und Lehrer aus dem AHS- oder BHS-Bereich. Die „Lehre mit Matura“ ist sowohl für Lehrbetriebe als auch für Lehrlinge von Vorteil. Während Lehrbetriebe von einer besseren Ausbildung der Lehrlinge profitieren, haben Lehrlinge durch einen höheren Ausbildungsabschluss auch in Zukunft bessere Chancen für Weiterbildungen oder ein Studium.

Sieht man sich jedoch die Zahlen im Detail an, muss man sich die Frage stellen, ob diese Ausbildungsvariante nicht analysiert und zu Gunsten der Lehrlinge verbessert werden muss?

Oberösterreich bildet mit Abstand die meisten Lehrlinge in Österreich aus. Sieht man sich dieses Bundesland genauer an, ergibt sich folgendes Bild:

Zu Beginn der Ausbildung „Lehre mit Matura“ im Jahr 2008 haben sich bis zum Stichtag (15. November 2015) insgesamt 10.291 Lehrlinge für diese Ausbildungsvariante angemeldet und diese begonnen.

Im gleichen Zeitraum haben sich jedoch 4.044 Lehrlinge entschieden die Vorbereitungskurse zu beenden. Von den verbliebenen 6.247 Lehrlingen haben lediglich 758 diese Ausbildungsvariante positiv abgeschlossen.

Weiters ist anzumerken, dass viele Lehrlinge aus Gründen wie dem Präsenz- bzw. Zivildienst oder aufgrund von Karenz (Mutterschutzgesetz 1979 bzw. Väter-Karenzgesetz 1989) diese Ausbildungsvariante unterbrechen.

Natürlich muss auch die Mehrfachbelastung berücksichtigt werden. Lehrlinge arbeiten im Betrieb, besuchen die Berufsschule und zwei Abende pro Woche die Vorbereitungskurse. Dies kann gerade für junge Menschen zu einer enormen Überbelastung und folglich zum Scheitern der Ausbildung führen.

Daher fordert die FCG-Jugend eine Evaluierung der Ausbildungsvariante „Lehre mit Matura“, um die Zahl der Abschlüsse zu erhöhen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass keine Überbelastung der Lehrlinge entsteht – im Sinne der Lehrlinge und ihrer Ausbildungsbetriebe.

 

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